Die internationale politische Agenda & die Medien 2 (Reed Elsevier)

Dies ist ein Nachtrag zu dem vorigen Artikel „Die internationale politische Agenda & die Medien (Kronberg Talks & Bertelsmann Stiftung)“.

In diesem Falle geht es um das Niederländische Verlagshaus Elsevier mit Sitz in Amsterdam, welches zum Medienkonzern Reed Elsevier gehört. Hier ein paar Firmeninformationen von Reed Elsevier (Wikipedia – Deutsch / Englisch):

Der Medienkonzern Reed Elsevier ist einer der weltgrößten Anbieter von Online-Datenbanken und eines der größten Verlagshäuser weltweit.
Reed Elsevier entstand im Januar 1993 aus dem Zusammenschluss von Reed International und Elsevier NV. Die Gruppe beschäftigt über 36.000 Mitarbeiter in über 200 Niederlassungen. Sie betreibt über 3000 Websites. Im Jahr 2006 betrug der Umsatz 5,398 Milliarden GBP

Hier eine Übersicht der Elsevier Homepage:

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Der Medienkonzern gibt auch Anlass zu Kritik. Einer der Kritikpunkte ist z.B. die aggressive Preispolitik des Unternehmens, gerade im Bereich von Zeitschriften und Journalen.
Weiterhin wurde der Konzern dafür kritisiert, dass er in die Organisation militärischer Waffenmessen involviert war, wie die New York Times 2005 berichtete:

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Ironischerweise kam die Kritik von den Editoren eines der eigenen Journale. 
In 2007 ist dann folgendes passiert (Auszug aus Wikipedia):

Defence exhibitions

Members of the medical and scientific communities, which purchase and use many journals published by Reed Elsevier, agitated for the company to cut its links to the arms trade. Two UK academics, Dr. Tom Stafford of Sheffield University and Dr Nick Gill, launched petitions calling on Reed Elsevier to stop organising arms fairs. A subsidiary, Spearhead, organised defence shows, including an event where it was reported that cluster bombs and extremely powerful riot control equipment were offered for sale.
In February 2007, Richard Smith, former editor of the British Medical Journal, published an editorial in the Journal of the Royal Society of Medicine, arguing that Reed Elsevier’s involvement in both the arms trade and medical publishing constituted a conflict of interest.He suggested that if academics began to disengage with Reed Elsevier, the company would be likely to end their arms fairs, as arms fairs only comprise a small proportion of their business.
On 1 June 2007, Reed Elsevier announced that they would be exiting the Defence Exhibition business during the second half of 2007.
This means that the company no longer organises arms fairs around the world. The decision followed a high-profile campaign, co-ordinated by CAAT, which highlighted the incompatibility of Reed’s involvement in the arms trade and their position as the number one publisher of medical and science journals and other publications. CAAT welcomed the decision and applauded the board of Reed Elsevier for recognising the concerns of its stakeholders.

Es gab also immensen Druck auf Reed Elsevier, aus dem Geschäft mit diesen Verteidigungs- oder Waffenmessen auszusteigen – u.a. mit dem Argument, dass diese Waffenmessen ja nur ein kleiner Teil des gesamten Geschäftes darstellen, und dass es einen Interessenkonflikt darstellen würde, gleichzeitig in Waffenhandel und Medizinischen Publikationen zu operieren.
Reed Elsevier hat das also sehr ernst genommen und angekündigt, in der zweiten Hälfte von 2007 aus dem Defence Exhibition-Geschäft auszusteigen. 

Anfang Maerz 2008 (also kurz nach der Waffenmessenepisode, s.o.) gab es dann folgende News in The Scientist„Elsevier expands biopharma base“ 

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Aha? Naja, obwohl, wie oben erwähnt, die Waffenmessen ja nur einen kleinen Teil des Reed Elsevier Geschäftes darstellten, müssen sie ja an anderer Stelle wieder eingenommen werden, richtig? Der auch nur marginal gebildete Wirtschaftler weiss nämlich, dass das oberste Ziel einer Firma die Maximierung des Profits ihrer Eigentümer ist, und nichts anderes. Höchstwahrscheinlich diskutiert sich jeder MBA-Student im Laufe seines Studiums durch die Frage des realen und/oder ethischen Für und Widers dieser Tatsache, auf die es keine richtige oder falsche Antwort gibt. Am Ende zaehlt, wie man das für sich persönlich sieht, und seine Antwort entsprechend begründet.
Auf jeden Fall bedeutet das aber, dass das Wort „Maximierung“ keinen Verlust beinhaltet, und da fast alle Firmen ihr Produkt- oder Serviceportfolio bzw. Industrien, in welchen operiert wird, diversifizieren, kann das ein Medienkonzern natürlich auch. Also wird die Biopharmazeutische Basis durch den Zukauf des führenden Biotech und Pharma Business Intelligence-Anbieters Windhover Information, Inc. erweitert.

Die naechste Headline stammt dann von April 2009 von theage.com.au und The Scientist

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Elsevier wurde vor einem Gericht in Australien angeklagt, Gelder von Merck für die Veröffentlichung von gefälschten Journale zu erhalten. Im Prinzip wird das auch zugegeben (siehe Auszug aus Wikipedia):

In May 2009, Elsevier Health Sciences CEO Hansen released a statement regarding Australia-based sponsored journals, conceding that these were „sponsored article compilation publications, on behalf of pharmaceutical clients, that were made to look like journals and lacked the proper disclosures.“ The statement acknowledged that this „was an unacceptable practice.“

Also zusammengefasst, die Journale waren von Merck gesponsert (d.h. Geld ist geflossen), und wurden rein zu marketing-technischen Gründen benutzt – um die eigenen Produkte zu promoten. Merck ist also Kunde von Reed Elsevier, und bei einem guten Unternehmen ist der Kunde selbstredend König.
Wohingegen vorher die Frage gestellt wurde, inwiefern Waffengeschäft mit medizinischer Literatur in Verbindung gebracht werden kann, was ja auch zwei völlig entgegengesetzte Wirtschaftszweige sind, stellt sich nun diese Frage nicht mehr. Medizinische Literatur verträgt sich thematisch ausgezeichnet mit Biopharmazie und fällt irgendwie in den gleichen Sektor. Auf jeden Fall war das eine beachtliche Strategie-Aenderung von Reed Elsevier, zumindest augenscheinlich.
Allerdings scheint eine ganz andere Gefahr zu bestehen. Wenn ein grosser Teil der Studierenden, Forschern etc. mit Literatur versorgt wird, bei der das Risiko besteht, dass sie biased oder nicht neutral/unvorbelastet ist und dem ganzen auch noch wirtschaftliche Interessen zu Grunde liegen, dann besteht die reale Gefahr, dass Wissen ver- oder gefälscht werden kann, und das auf globaler Ebene.
Weiterhin zeigt sich auch im Falle des Medienkonzerns Reed Elsevier, genau wie bei der Bertelsmann AG/Stiftung, dass es direkte Verbindungen zwischen Medien, Politik/Militär und Wirtschaft gibt, die sich möglicherweise schädlich für uns, die Verbraucher, auswirken.

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